Der Bauphysik auf der Spur: Neubaufeuchte, Schimmel, unbekannte – weil neue Bauweisen

Das konservative Bauwesen befindet sich seit jeher in einem technologischen Dilemma, allerdings in einem wohlgewollten und die Qualität seit jeher sicherndem. Wir haben ausdrücklich nicht nach dem Stand der Technik zu bauen, der neuesten Entwicklung – dem letzten Schrei und sei er auch nur ein laues Lüftchen. Nein; bei der Errichtung von Neubauten sind Leistungen […]

Das konservative Bauwesen befindet sich seit jeher in einem technologischen Dilemma, allerdings in einem wohlgewollten und die Qualität seit jeher sicherndem.

Wir haben ausdrücklich nicht nach dem Stand der Technik zu bauen, der neuesten Entwicklung – dem letzten Schrei und sei er auch nur ein laues Lüftchen. Nein; bei der Errichtung von Neubauten sind Leistungen nach den anerkannten Regeln der Technik geschuldet. Diese unterscheiden sich in einem entscheidenden Merkmal von ersterem, dem Stand der Technik: es ist die fortdauernde Praxisbewährung des Produktes oder der Konstruktion erforderlich. Doch wo bleiben in diesem Zusammenhang neue Entwicklungen? Neuartige Bauweisen mit hohem Innovationspotential können nie den anerkannten Regeln der Technik entsprechen, da die notwendigen Erfahrungswerte nicht vorliegen. Somit stehen Planer und Bauausführende in einem Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit sichere, schadensfreie Gebäude zu errichten und dem Wunsch innovative Gebäudekonzepte umzusetzen, die die heutigen Anforderungen an Energieeffizienz und Wohnkomfort erfüllen.

In diesem Spannungsfeld passieren Fehler. Vermeidbare aber auch Unvorhersehbare, für die die Planenden und Ausführenden aber dennoch einstehen müssen.

Zur Sicherstellung dieser Schadensfreiheit kann eine eigehende bauphysikalische Betrachtung der geplanten Bauweise einen großen Beitrag leisten. Mit dem heutigen Wissen und den modernen Berechnungsmethoden können viele Fehler vorab ausgeschlossen werden. Leider werden diese Methoden häufig nicht in ausreichendem Umfang angewendet.

Mit Hilfe aktueller Schadensfälle aus meiner Praxis als Bausachverständiger, sowie von mir durchgeführten Untersuchungen und instationären, hygrothermischen Berechnungen zeige ich Beispiele auf:

An einem neu errichteten Dach einer Schule kam bereits nach wenigen Jahren zu massiven Fäulnis-Erscheinungen, wie sie sonst vor allem von Flachdächern bekannt sind. Lagen Planungsfehler vor? Welchen Einfluss hat eine erhöhte Dämmstoffdicke auf das hygrothermische Verhalten des Bauteils? Wird dies durch die Einbaufeuchte der Baustoffe beeinflusst? Welche Rolle spielen Fehler im Bauablauf?

Als neue Bauweise können auch Wände aus kerngedämmten Steinen betrachtet werden. In weiteren Beispielen zeige ich aus solchen Steinen errichtete Keller, in denen es zu Schäden am Innenputz kam. Welchen Einfluss haben die neuen Baustoffe auf die Austrocknung des Kellers? Kann ein Innenputz als Austrocknungsbremse wirken? Welchen Einfluss haben die Bauzeiten? Müssen diese auf die neuen Baustoffe angepasst werden?

In einem Altenheim wurden Sanierungsarbeiten auf Grund von Wasserleitungsschäden durchgeführt. Noch vor Wiedereinzug kam es zu Feuchteschäden mit massiver Schimmelbildung an den neuen Trockenbauwänden. Zieht Baufeuchte aus dem neuen Bodenaufbau in angrenzende Wände? Welche Planungsgrundsätze müssen beachtet werden, um solche Schäden zu vermeiden?

In einem Einfamilien-Wohngebäude kam es zu großflächigen Feuchte- und Schimmelschäden in mehreren Räumen. Was können kleine Unzulänglichkeiten bei heutigen Gebäuden verursachen?

Regelbauweisen nach DIN 68800, neue Bodenaufbauten mit gebundenen Schüttungen oder gekapselten, geschlossenzellige Dämmungen, stellen aus bauphysikalischer Sicht besondere Anforderungen an Planung und Ausführung, die nach meiner Erfahrung heute noch viel zu wenig beachtet werden.

Gerade hier ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Bausachverständigen und Sonderfachleuten wie Mikrobiologen notwendig, umso mehr, wenn es um die Frage nach der Ursache geht.

 

 
Dipl.-Ing. (TU) Erik Thees

ö.b.u.v. SV für Schäden an Gebäuden, BTE-Experte